Felix Harms, Gründer und Geschäftsführer von Betta Digital Media:

"Bildung.

Da ich eine ausgeprägte Leidenschaft für Fußball habe, will ich es so erklären:

Das deutsche Bildungssystem ist wie ein Fußballverein, der zwar in der Theorie hervorragende Möglichkeiten besitzt (großes Stadion, potente Sponsoren, viele Fans), daraus in der Praxis aber kein Kapital schlagen kann und höchstens in Ausnahmefällen einmal um Titel mitspielt. Der Aufsichtsrat umfasst viele Entscheider, die wenig Ahnung, aber viel Geltungsdrang besitzen und so werden alle Jahre wieder neue "revolutionäre" Konzepte und damit meist auch neue Trainerstäbe vorgestellt, die zwar irgendwie auch den langfristigen, aber vor allem den schnellen Erfolg bringen sollen. Die Folge ist meist: Es kommen überteuerte Stars (sowohl auf, als auch neben dem Platz). Schließlich stehen deren Namen ja für Erfolg. Doch entweder haben diese ihre besten Tage schon hinter sich, oder es wird nicht berücksichtigt, dass so ein Starspieler auch das richtige Team um sich braucht, um Glanzmomente und Erfolg garantieren zu können. Und dann arbeiten im Verein auch noch alle gegeneinander. Der eine Teil des Aufsichtsrates will am liebsten den Amateurfußball von damals wieder haben, der andere will moderne Konzepte und medienwirksame Vermarktung.
Die einen wollen nur deutsche Spieler, die anderen internationales Flair. Viele wollen junge Talente für deren Entdeckung man sich feiern lassen kann. Der Sponsor aber will lieber die ganz großen Namen. Und alle wollen für sich genommen irgendwie gut dastehen.

Worum es eigentlich geht, nämlich optimale Arbeitsbedingungen für eine gute Mannschaft und einen kompetenten Trainerstab zu schaffen, das gerät meist in den Hintergrund.

Vor ähnlichen Problemen steht unser Bildungssystem:  Der Bund und Europa und (vor allem) noch einmal jedes Bundesland bilden einen gigantischen Aufsichtsrat. Jeder darf sagen und entscheiden wie es für seine Abteilung auszusehen hat, das gute Bildungssystem. Aber nicht alle zusammen, an einem Strang ziehend, sondern jeder für sich. Hauptsache, die Wähler sagen am Ende: "Der eine da, DER hatte eine gute Idee, so müsste es doch im ganzen Verein laufen." Ma will ja im Aufsichtsrat bleiben. Das es eigentlich um den Verein insgesamt geht und am Ende nur der gemeinsame, langfristig messbare Erfolg zählt, das ist egal. Und so werden für die eigene Abteilung internationale Regelungen übernommen, wenn gerade internationales Flair braucht. Braucht man eher lokale Rückendeckung, besinnt man sich auf alte Stärken und stellt sich bei den europäischen Vorhaben quer. Erst sind sie alle überzeugt vom internationalen Starspieler "Abi nach 12 Jahren", der andernorts fantastische Erfolge feiern konnte, und man kauft ihn zu unüberschaubaren Konditionen teuer ein - kurz vor Transferschluss - damit er noch für die aktuelle Saison Stimmen fangen kann. Dann hat der Trainer keine Chance sich mit ihm auf das neue Jahr vorzubereiten und als man merkt, dass er daher weder fit für Deutschland ist, noch Deutschland eigentlich sein Spielverständnis teilt, da wird dann ganz schnell relativiert. Entweder muss der Spieler gleich wieder gehen, oder die Trainer sind schuld, oder beide dürfen bleiben, aber von einem Starspieler, der wirklich was verbessern kann, war ja eigentlich auch nie die Rede gewesen.

Ja, ja...und so läuft das dann bei allem was Sie tun in solchen Klubs. Die Einen machen Ansagen, die die Anderen dann brechen. Die Einen haben Pläne zur Veränderung, die die Anderen durchkreuzen. Bei Fußballvereinen leiden darunter vor allem Spieler, Trainer und darüber auch die Fans. Im schlimmsten Fall steigt man irgendwann gemeinsam ab und versinkt im totalen Chaos.

Wohl denen, die Rechtzeitig einen vernünftigen Arbeitgeber gefunden haben.

Bei unserem Bildungssystem leiden die einzelnen Einrichtungen, die Ausbildungen und Studiengänge und darüber dann die Dozenten und Lehrer, sowie die Studenten und Schüler. Und der Verein insgesamt ist zu keiner wirklichen Veränderung bereit.

Es wird Zeit, den Verein zu wechseln.“